von Frank Kaltofen
(Foto: Leipziger Messe GmbH / Tom Schulze)
Vom 27. bis 30. März lud die diesjährige Buchmesse für vier Tage unter dem Motto „Worte bewegen Welten“ Literaturbegeisterte nach Leipzig. Und die kamen in Scharen: Rund 296.000 Besucherinnen und Besucher – und damit 13.000 mehr als im vorherigen Jahr – wurden gezählt, was für viele durch die langen Wartezeiten am Einlass spürbar wurde.
Mit 2.040 Ausstellern aus 45 Ländern wurde in den Messehallen die internationale Vielfalt rund um das gedruckte Wort zelebriert. Parallel fanden mit dem Programm „Leipzig Liest“ rund 2.800 Veranstaltungen an mehr als 300 Leseorten in und um Leipzig statt. Deutschsprachige Star-Autoren wie Sebastian Fitzek und Marc-Uwe Kling gaben sich dabei ebenso die Ehre wie schreibende Musikpromis, darunter Bela B Felsenheimer oder Peter Maffay und auch ausländische Literaturgrößen wie die polnische Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk.
Preis der Leipziger Buchmesse 2025 geht unter anderem ins sächsische Markkleeberg
Der jährliche Preis der Leipziger Buchmesse blieb diesmal in der Region – jedenfalls in der Kategorie Übersetzung. Denn Thomas Weiler, prämiert für seine Übersetzung von „Feuerdörfer. Wehrmachtsverbrechen in Belarus“, lebt im nahegelegenen Markkleeberg südlich der Messestadt.
Für seine Übersetzung des Buches „Feuerdörfer. Wehrmachtsverbrechen in Belarus – Zeitzeugen berichten“ (Aufbau Verlag) erhielt Thomas Weiler die Auszeichnung der Buchmesse.
Für das Buch hatten Ales Adamowitsch, Janka Bryl und Uladsimir Kalesnik bereits Anfang der 1970er Jahre mit Hunderten Überlebenden aus von der Wehrmacht niedergebrannten belarussischen Dörfern gesprochen. Thomas Weiler macht deren Aussagen nun durch die Übersetzung aus dem Belarussischen erstmals einer deutschen Leserschaft zugänglich: „Seine am Mündlichen orientierte Übersetzung entlarvt die entsetzliche Grausamkeit des Erlebten und zeigt die Grenzen der Sprache in der brennenden Wahrheit dieser Berichte auf“, heißt es in der Begründung der Jury für die Preisvergabe.
In der Kategorie Belletristik wurde Kristine Bilkau („Halbinsel“, Luchterhand Verlag) ausgezeichnet; den Preis für Sachbuch/Essayistik sicherte sich Irina Rastorgueva („Pop-up-Propaganda. Epikrise der russischen Selbstvergiftung“, Verlag Matthes & Seitz).
Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ging in diesem Jahr an den belarussischen, im Exil lebenden Schriftsteller Alhierd Bacharevič. Er wurde für sein Buch Europas Hunde ausgezeichnet, das in seiner Heimat inzwischen verboten ist.
(Foto: Leipziger Messe GmbH / Jens Schlüter)
Leipziger Buchmesse als Spiegel gesellschaftlicher Großthemen
Neben Stars, Awards und internationaler Literatur bot die Buchmesse wie in jedem Jahr auch Raum für gesellschaftliche Debatten. So widmete sich das neue „Forum Mensch & KI: Schöne neue Welt?“ in Vorträgen und Podiumsdiskussionen den Auswirkungen, die der Boom künstlicher Intelligenz auf Literatur, Kunst, Journalismus, Bildung und nicht zuletzt natürlich auf das Verlagswesen hat. Ob als Sach-Comic, auf der Diskussionsbühne oder bei der Frage nach der Zukunft des Übersetzens: KI ist auch auf dieser Buchmesse – sicherlich nicht zum letzten Mal – allgegenwärtiges Thema. Und lacht dem aufmerksamen Betrachter bereits von vielen Buchcovern in Gestalt KI-generierter Bilder entgegen.
Vielleicht berechnet die künstliche Intelligenz ja im nächsten Jahr sogar ein optimiertes Einlass-Konzept für die Buchmesse? Manche Besucher wären wohl nicht böse darüber.
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